Neue Doppelstock-Züge der SBB provozieren Gerichtsverfahren

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Die neuen Dostos verärgern Menschen mit verschiedensten Behinderungen. Die Züge werden Ihren Bedürfnissen nicht gerecht. Inclusion Handicap zieht nun gegen die SBB und Bombardier Transportation vor Gericht.

Es ist der teuerste Einzelauftrag, den die SBB in Ihrer Geschichte je vergeben haben. 1,9 Milliarden Franken investieren die Bundesbahnen in eine neue Generation von doppelstöckigen Triebzügen. Sie soll im Hochgeschwindigkeitsfernverkehr für InterRegio- und InterCity-Verbindungen zum Einsatz kommen und für mehr Kapazität auf der Ost–West-Achse sorgen. Bei den 62 neuen Zügen aus der Baureihe «Twindexx Express» des Herstellers Bombardier Transportation handelt es sich um die künftig grösste Flotte der SBB.

Umso pikanter ist, was Menschen mit Seh- Hör oder Mobilitätsbeeinträchtigungen bei der erstmaligen Besichtigung der neuen Zugskomposition Ende Dezember 2017 festgestellt haben.

So sei es etwa Rollstuhlfahrern nicht möglich, den Zug selbstständig zu verlassen, da es zwischen dem Zuginneren und dem Perron einen Niveau-Unterschied zu überwinden gilt. Die Rampenkonstruktion sei für HandrollstuhlfahrerInnen schlicht zu steil. Weiter seien die Türöffnungstasten aus der Rollstuhlperspektive nicht erreichbar und somit falsch platziert.

Ein Vertreter der Menschen mit Sehbehinderung bemerkte, dass die Handläufe nicht lückenlos von der Treppe bis zur Zugtüre führen. – Ein Sicherheitsrisiko, auch für Menschen mit Gehbehinderung. Letzteren wird die Fortbewegung im Zug durch das nicht ebene Oberdeck erschwert. 

Darüber hinaus führten die Lichtverhältnisse im Zug an diversen Orten zu extremen Blendungen. Und zu Spiegelungen auf Monitoren mit Fahrplaninformationen, die für Reisende mit Hörbehinderung von besonderer Wichtigkeit sind.

Politikerinnen und Politiker von links bis rechts sind empört und bestärken Inclusion Handicap, den Dachverband der schweizer Behindertenorganisationen in seinem Vorhaben, Beschwerde gegen die befristete Betriebsbewilligung der Bombardier-Züge einzureichen.

Ziel der Beschwerde soll laut Aussage von Inclusion Handicap nicht sein, den Testbetrieb zu verhindern. Vielmehr gehe es darum sicherzustellen, dass alle notwendigen Anpassungen vorgenommen werden würden, noch bevor alle Züge gebaut seien. Wie SRF berichtete, gingen die SBB ihrerseits davon aus, dass ihr Zug gesetzeskonform sei und bedauerten, dass es zu diesem Gerichtsverfahren komme. Man respektiere jedoch die Verbandsbeschwerde, heisst es auf einer SBB-Website.

Sorgen hatte der Zug mit den mit den SBB-Bezeichnungen «RABe und RABDe 502» schon mehrfach bereitet. Die Neuanschafung machte mit Lieferverzögerungen und Softwareproblemen von sich reden.

 

UPDATE:

In der «10 vor 10»-Sendung vom 13. Februar berichtet SRF erneut vom «FV Dosto» und zeigt auf, weshalb der neue Fernverkehrszug so hindernisreich konstruiert worden ist.

 

Link zum Beitrag in der SRF-Sendung «10 vor 10»

Komplette Sendung «10 vor 10» vom 29.1.2018

Informationen von Inclusion Handicap zur eingereichten Beschwerde